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Die wichtigsten Klauseln in jedem Freelance-Vertrag

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Ein guter Vertrag ist Ihre beste Versicherung

Ohne Vertrag arbeiten ist wie Autofahren ohne Gurt. Solange nichts passiert, merkt man es nicht. Aber beim ersten Problem kann es teuer werden. Ein Kunde, der nicht zahlt. Ein Projekt, das aus dem Ruder laeuft. Ein Missverstaendnis ueber die Lieferung. Ohne schriftliche Vereinbarung stehen Sie im Regen.

Ein Vertrag schafft kein Misstrauen. Er schafft Klarheit. Er definiert die Erwartungen beider Seiten und legt den Rahmen fuer eine professionelle Zusammenarbeit. Hier sind die sieben Klauseln, die in keinem Freelance-Vertrag fehlen sollten.

Die 7 unverzichtbaren Klauseln

1. Leistungsumfang (Scope of Work)

Die wichtigste und gleichzeitig am haeufigsten vernachlaessigte Klausel. Sie beschreibt genau, was Sie liefern, in welchen Schritten und was nicht enthalten ist.

Das gehoert rein:

  • Konkrete Lieferobjekte (Designs, Seiten, Funktionen, Texte...)
  • Anzahl der enthaltenen Korrekturschleifen
  • Lieferformate
  • Was ausdruecklich nicht zum Umfang gehoert

Ohne diese Klausel setzen Sie sich dem Scope Creep aus: Das Projekt waechst Woche fuer Woche, aber Ihr Honorar bleibt gleich.

2. Zahlungsbedingungen

Geld ist das Thema, ueber das niemand gern spricht. Umso wichtiger, alles schwarz auf weiss festzuhalten.

Diese Punkte sollten enthalten sein:

  • Gesamtbetrag oder Stunden-/Tagessatz
  • Zahlungsplan (z. B. 30 % Anzahlung, Zwischenzahlung, Restzahlung bei Abnahme)
  • Zahlungsfrist (maximal 30 Tage, ideal 14 Tage)
  • Akzeptierte Zahlungsarten
  • Verzugszinsen bei verspaeteter Zahlung

Eine Anzahlung von 30 bis 50 % vor Projektbeginn ist branchenueblich. Lassen Sie sich von niemandem etwas anderes einreden.

3. Korrekturschleifen und Aenderungen

"Koennten Sie das noch kurz anpassen?" Ohne klare Regelung hoeren Sie diesen Satz oefter, als Ihnen lieb ist.

Empfehlungen:

  • Legen Sie eine feste Anzahl an Korrekturschleifen fest (2-3 Runden sind angemessen)
  • Definieren Sie, was eine "Korrektur" ist und was eine "grundlegende Aenderung"
  • Benennen Sie den Preis fuer zusaetzliche Korrekturen
  • Setzen Sie eine Frist fuer Kunden-Feedback (z. B. 5 Werktage)

4. Geistiges Eigentum und Nutzungsrechte

Wem gehoert die Arbeit? Diese Frage klingt einfach, fuehrt aber zu den meisten Streitigkeiten.

Gaengige Modelle:

  • Vollstaendige Uebertragung bei Abnahme: Der Kunde erhaelt alle Rechte nach vollstaendiger Zahlung
  • Nutzungslizenz: Sie bleiben Urheber, der Kunde erhaelt ein Nutzungsrecht
  • Teiluebertragung: Sie behalten das Recht, die Arbeit im Portfolio zu zeigen

Unabhaengig vom Modell: Halten Sie fest, dass der Rechteubergang erst nach vollstaendiger Bezahlung erfolgt. Das ist Ihr bester Schutz gegen Zahlungsausfaelle.

5. Kuendigungsbedingungen

Manchmal passt es einfach nicht. Dann brauchen beide Seiten einen sauberen Ausstieg.

Das sollte geregelt sein:

  • Kuendigungsfrist (15-30 Tage)
  • Verguetung der bereits erbrachten Leistungen
  • Rueckgabe von Materialien und Zugaengen
  • Eventuell ein Kill Fee (Entschaedigung bei Projektabbruch durch den Kunden)

6. Vertraulichkeitsklausel

Manche Projekte beinhalten sensible Informationen. Aber auch bei weniger kritischen Auftraegen gibt eine Vertraulichkeitsklausel dem Kunden Sicherheit.

Wichtige Punkte:

  • Was als vertraulich gilt, klar definieren
  • Dauer der Verpflichtung festlegen (ueblich: 1-3 Jahre nach Vertragsende)
  • Vernuenftige Ausnahmen vorsehen (oeffentlich bekannte Informationen, gesetzliche Pflichten)

Achtung: Eine zu weit gefasste Klausel koennte Sie daran hindern, den Kunden in Ihrem Portfolio zu erwaehnen. Verhandeln Sie diesen Punkt.

7. Haftungsbegrenzung

Wenn etwas mit Ihrer Arbeit schiefgeht, wie weit reicht Ihre Verantwortung? Ohne Begrenzung koennte ein Kunde theoretisch unverhaeltnismaessig hohen Schadensersatz fordern.

Best Practices:

  • Begrenzen Sie Ihre Haftung auf den Gesamtwert des Auftrags
  • Schliessen Sie indirekte Schaeden aus (Umsatzverlust, Imageschaden)
  • Legen Sie eine Frist fuer Maengelruegen fest (z. B. 30 Tage nach Lieferung)

Haeufige Fehler

  • Vorlagen unveraendert uebernehmen: Jedes Projekt ist anders. Ein generischer Vertrag deckt Ihre spezifischen Beduerfnisse nicht ab.
  • Kundenbedingungen ohne Verhandlung akzeptieren: Ein Vertrag ist Verhandlungssache. Bringen Sie immer Ihre eigenen Klauseln ein.
  • Erst nach Projektstart unterschreiben lassen: Ein Vertrag, der nach Arbeitsbeginn unterzeichnet wird, verliert an rechtlicher Wirkung.
  • Anhang vergessen: Briefing, technische Spezifikationen und das unterschriebene Angebot sollten dem Vertrag beiliegen.

Professionell schuetzen, ohne die Beziehung zu belasten

Ein guter Vertrag macht Sie nicht kompliziert. Er macht Sie professionell. Serioese Kunden schaetzen Klarheit. Und wer keinen Vertrag unterschreiben will, sendet Ihnen ein Warnsignal.

Nutzen Sie unsere Vertrags-Checkliste, um vor dem naechsten Auftrag sicherzustellen, dass keine wichtige Klausel fehlt.

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