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So berechnen Sie Ihren Freelance-Stundensatz

Freelit··6 min

Warum Ihr Stundensatz die Grundlage fuer alles ist

Viele Freelancer starten mit einem Bauchgefuehl, wenn es um ihren Stundensatz geht. "Was nehmen die anderen?" oder "Was wuerde ich selbst zahlen?" sind die haeufigsten Fragen. Aber beide fuehren in die Irre.

Ihr Stundensatz bestimmt, ob Sie am Ende des Monats entspannt auf Ihr Konto schauen oder sich fragen, wo das Geld geblieben ist. Er entscheidet ueber Urlaub, Ruecklagen, Altersvorsorge und letztlich ueber Ihre Zufriedenheit als Selbststaendiger.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen eine klare Formel, die typischen Fehler und konkrete Tipps fuer verschiedene Erfahrungsstufen.

Die Formel in 4 Schritten

Schritt 1: Wunsch-Nettoeinkommen festlegen

Fangen Sie von hinten an. Wie viel moechten Sie monatlich netto verdienen? Denken Sie an Miete, Lebenshaltung, Sparen, Freizeit.

Beispiel: 3.500 EUR netto pro Monat, also 42.000 EUR im Jahr.

Schritt 2: Steuern und Abgaben draufrechnen

Als Freelancer tragen Sie Krankenversicherung, Rentenvorsorge, Einkommensteuer und Gewerbesteuer selbst. Je nach Rechtsform und Einkommen liegt die Belastung zwischen 30 % und 50 %.

Bei einem durchschnittlichen Satz von 40 % ergibt sich:

42.000 / (1 - 0,40) = 70.000 EUR Bruttoumsatz pro Jahr

Schritt 3: Betriebsausgaben einrechnen

Software-Abos, Hardware, Coworking, Fortbildungen, Telefon, Reisekosten. Schaetzen Sie Ihre jaehrlichen Betriebsausgaben und addieren Sie diese.

Sagen wir 6.000 EUR. Das ergibt 76.000 EUR Gesamtumsatz.

Schritt 4: Durch fakturierbare Stunden teilen

Und hier wird es spannend. Sie koennen nicht jede Arbeitsstunde in Rechnung stellen. Akquise, Verwaltung, Buchhaltung, Weiterbildung und auch mal ein ruhiger Tag kosten Zeit, bringen aber kein direktes Geld.

Realistisch fakturieren Freelancer etwa 60 bis 70 % ihrer Zeit. Bei 220 Arbeitstagen sind das rund 150 fakturierbare Tage. Bei 6 produktiven Stunden pro Tag kommen wir auf 900 Stunden.

76.000 / 900 = rund 84 EUR pro Stunde

Typische Fehler, die Sie vermeiden sollten

Das alte Gehalt als Massstab nehmen

Ihr frueheres Bruttogehalt durch die Monatsstunden zu teilen, funktioniert nicht. Als Angestellter hatten Sie bezahlten Urlaub, Krankenversicherung vom Arbeitgeber und Kuendigungsschutz. All das muessen Sie jetzt selbst finanzieren.

Nicht-fakturierbare Zeit ignorieren

E-Mails, Angebote schreiben, Rechnungen erstellen, Kundenggespraeche, die zu nichts fuehren. Wenn Sie diese Stunden nicht einkalkulieren, verschenken Sie einen grossen Teil Ihrer Arbeitszeit.

Sich nur am Markt orientieren

Was andere Freelancer verlangen, sagt nichts ueber Ihre Situation. Unterschiedliche Lebenshaltungskosten, Steuerbelastungen und Spezialisierungen machen jeden Fall einzigartig.

Preise nie anpassen

Ihre Faehigkeiten wachsen, die Inflation auch. Wer drei Jahre lang denselben Satz berechnet, verdient real weniger. Planen Sie eine jaehrliche Preisanpassung ein.

Tipps nach Erfahrungslevel

Einsteiger (0-2 Jahre)

  • Setzen Sie Ihren Satz nie unter die Rentabilitaetsgrenze, auch wenn Sie noch wenig Erfahrung haben.
  • Nutzen Sie Einstiegsprojekte gezielt fuer den Portfolio-Aufbau.
  • Erhoehen Sie Ihre Preise, sobald Sie 2-3 regelmaessige Kunden gewonnen haben.
  • Scheuen Sie sich nicht, Ihren Preis klar zu kommunizieren. Unsicherheit signalisiert dem Kunden, dass Sie selbst nicht an Ihren Wert glauben.

Fortgeschrittene (2-5 Jahre)

  • Sie haben Referenzen und nachweisbare Ergebnisse. Nutzen Sie diese aktiv in Preisgespraechen.
  • Testen Sie bei neuen Kunden eine Erhoehung von 10-15 %.
  • Bieten Sie Pauschalpreise an, besonders bei wiederkehrenden Aufgaben.
  • Spezialisierung zahlt sich aus: Je enger Ihre Nische, desto hoeher koennen Ihre Preise sein.

Experten (5+ Jahre)

  • Ihr Wert liegt nicht mehr in der Stunde, sondern im Ergebnis. Wechseln Sie, wo moeglich, zu wertbasierter Bepreisung.
  • Positionieren Sie sich als Spezialist mit Premium-Konditionen.
  • Sagen Sie ruhig Nein zu Projekten, die unter Ihrem Niveau liegen. Ihre Zeit ist Ihre wertvollste Ressource.

Fazit

Den richtigen Stundensatz zu finden, ist kein Ratespiel. Es ist eine Rechenaufgabe, die Ehrlichkeit erfordert: Ehrlichkeit ueber Ihre Kosten, Ihre tatsaechlich fakturierbare Zeit und Ihre finanziellen Ziele.

Nutzen Sie unseren Stundensatz-Rechner, um in wenigen Minuten Ihren persoenlichen Satz zu ermitteln. Das Ergebnis koennte Sie ueberraschen.

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